Donnerstag, 23. September 2010

Daugavpils

Die Stadt ist gar nicht so schrecklich, wie ich das am Anfang gedacht habe. Es wirkt alle sehr grau, aber hat durchaus seinen Charme...:)
Heute war unglaublich schönes Wetter und ich war nach der Schule (ich hatte bis um 16 Uhr !) draußen. Im Wald (dahin brauche ich eine Viertel Stunde zu Fuß) und im Park und Richtung Innenstadt. Und um 19 Uhr bin ich wieder nach Hause, weil es dunkel geworden ist...:)
Aber der Reihe nach. Erst war ich im Wald, habe mit einer anderen Austauschschülerin telefoniert (für unglaubliche 2 Lats!) und bin dann in den Park gegangen. Als ich auf die Tramvai, also die Straßenbahn gewartet ist, ist mir was unglaubliches passiert. Ich habe einen NVV-Bus in Daugavpils gesehen, ich meine, klar, hier fahren alte deutsche Straßenbahnen, ausgemusterte Busse aus Schweden, also, alles, was in Westeuropa wahrscheinlich nicht mehr durch den TÜV kommt, aber das war ein Bus mit der Aufschrift NVV. Und weil ich mir gedacht habe, dass mir das keiner abnimmt, habe ich ein Beweisfoto gemacht.
Danach bin ich mit der Straßenbahn Richtung Innenstadt gefahren, eigentlich wollte ich euch nämlich meine Schule zeigen... Aber da ist dann nichts draus geworden. Ich habe nämlich erst die drei großen Kirchen fotografiert. Die rote, das ist eine evangelisch-lutherische, die hatte "geschlossen". Und die einheitlich weiße ist eine römisch-katholische Kirche. Da war ich drin und es war echt schön. Es war zwar kein Gottesdienst, aber die Bänke waren voll und und die Leute (hauptsächlich ältere Frauen, "Babuschkas":)) haben gebetet oder gebeichtet und alles hat so gut gerochen. Früher fand ich den Geruch immer sehr sehr unangenehm, aber heute war es sehr sehr schön. Und als ich schöne Fotos von der russisch-orthodoxen Kirche, der letzen Kirche machen wollte, haben meine Batterien gestreikt. Und ich hab keine Fotos mehr gemacht, sondern bin nach Hause und habe für morgen Batterien gekauft. Morgen gehts nämlich nach Riga (schon erwähnt?) und Riga ohne Kamera wäre ja wie Kuchen ohne Zucker, oder sowas...











Montag, 20. September 2010

Russisch, Lettisch und was mir sonst noch das Leben schwer macht...:)

Gut. Jetzt erzähle ich noch ein bisschen, wie das hier mit den Sprachen ist, und dann seid ihr schon auf dem aktuellen Stand. :)
Also, Daugavpils ist, wie ich schon gesagt habe, eher eine russische Stadt. Hier leben 60% Russen und nur um die 15% Letten. Hier wird man in den Geschäften zu etwa 90% auf Russisch begrüßt. Russisch ist die Alltagssprache. Nicht jeder kann Lettisch (zum Beispiel meine Gasteltern nicht), Russisch kann jeder, weil es jeder können muss. Wer hier kein Russisch spricht, kann nicht einkaufen, sich nicht mit den Nachbarn unterhalten und so weiter. Russisch ist also (viel) wichtiger. Deswegen sind zum Beispiel Hinweisschilder zum Teil ziemlich sinnlos, weil sie von mindestens einem Drittel der Bevölkerung nicht verstanden werden:)
Dafür ist aber der Unterricht auf Lettisch. Das garantiert, dass wenigstens die jungen Leute Lettisch lernen. Bei den "älteren" russischstämmigen Leuten wird das hier vermutlich oder ziemlich sicher nichts mehr ändern. Dabei es ist ja schon relativ wichtig, die Sprache von dem Land, in dem man lebt, zu sprechen. Sieht man ja auch an den Diskussionen, die zur Zeit in Deutschland über Migranten geführt werden.
Also, zur Sprache: Ich möchte ja gerne beide Sprachen so einigermaßen lernen (wir werden in neun Monaten sehen, was aus diesem Vorhaben geworden ist...), hab aber jetzt gemerkt, dass ich dafür richtig was machen muss. Weil: Ich konnte weder kyrillisch noch irgendwelche Vokabeln, als ich hergekommen bin. Und vor allem am Anfang hätte ich mich am liebsten gehauen, dass ich nicht gelernt habe, so wie meine Mama mir das von Anfang an gesagt hat... Naja, aber jetzt bin ich hier. Ohne Vorkenntnisse. Die ersten Worte wie Danke und Bitte Ich heiße..., so Alltagsfloskeln waren schnell drin, aber das wars dann auch schon. Ich kann mir einfach keine russischen Vokabeln merken. Die lettischen gehen leichter in meinen Kopf, weil Lettisch ein klitzekleines bisschen dem Deutschen ähnelt. Lettisch höre ich aber auch nur in der Schule und es kostet schon Überwindung, einfach was zu sagen und vor allem, sich Sätze hinzubiegen, die mit hundertprozentiger Wahrscheinlichkeit falsch sind, wenn man genau weiß, dass man auf Englisch vielleicht ein Zehntel der Zeit braucht. Ich glaube, darin liegt wirklich die größte Gefahr, dass man denkt, alles ist mit Englisch leichter...
Ich habe in der Zeit, wo ich krank war, probiert, ernsthaft kyrillisch zu lernen und kann jetzt von mir behaupten, dass ich etwas entziffern kann und sogar Schreibschrift schreiben kann;)
Und ansonsten: Ich gebe mir jetzt wirklich Mühe. Schreibe alle Vokabeln auf und versuche sogar, sie zu lernen. Am Anfang wollte ich ja erstmal nur Lettisch lernen, weil ich der Meinung war, dass beide auf einmal ein bisschen viel sind. Musste jetzt aber feststellen, dass das scheinbar unmöglich ist, eine der beiden Sprachen für länger zurückzustellen. Zu Hause kann ich eben nur Russisch sprechen und in der Schule gibts in etwas mehr als zwei Monaten Noten, auch in Lettisch. Außerdem macht ja AFS so super Sprachtests. Aber gut, dass ich da nicht sooo gut sein werde wie die (meisten) anderen ist wohl ziemlich klar... Aber nicht weiter schlimm.
Ansonsten macht mir das Essen Probleme(alles schmeckt ganz gut, aber:), ich hätte mir ja gewünscht, nicht (so viel) zuzunehmen, aber hier gibt es ständig irgendwelches süßes Zeug (ich kenn es definitiv nicht und kanns auch nicht beschreiben, es ist aber nicht schlecht). Und morgens gibt es immer oder oft irgendwelche Pfannkuchen mit Zucker, Marmelade etc. Und ich gönne mir die deutsche Schokolade, weil sie einfach sooooo gut schmeckt und joggen gehen darf ich in den nächsten Wochen auch nicht, wegen meiner schweren Krankheit;)
Achja, und heute morgen gabs wieder Nudeln(siehe erster Schultag...)!!:D:D
Meine ersten Schreibversuche;)



Sonntag, 19. September 2010

Lettland

Letzte Woche Freitag war ich im Wald und habe endlich das "gefunden", was ich eigentlich von Lettland erwartet habe. Das war ja hauptsächlich keine graue Großstadt mit vielen Leuten, sondern Leere komplett ohne Menschen oder mal hier und da ein Hüttchen. Und viel viel viel Natur. Und das war so:
Am Donnerstag Abend ist meine Gastmutter Viktorija in unser Zimmer gekommen und hat gefragt ob ich mit in den Wald kommen möchte, am Freitag morgen (normalerweise beginnt Freitag die Schule um neun Uhr, aber an dem Freitag war Sporttag und es hat erst um elf angefangen). Ich habe mir ziemlich viel Zeit zum Überlegen gelassen. Immerhin standen um fünf Uhr aufstehen gegen bis um zehn ausschlafen. Also eine schwere Entscheidung;) Aber ich habe mir gedacht, dass ich, wenn ich das jetzt nicht mache, wahrscheinlich nie aus dieser Stadt rauskomme. Also bin ich mit meinem Gastopa und Viktorija um fünf Uhr los in irgend-einen Wald außerhalb.
Wir sind ziemlich lange gefahren (und seitdem weiß ich auch, dass Viktorija gar nichts dadür kann, dass sie katastrophal Auto fährt, das muss in der Familie liegen, ihr Vater fährt genauso:D...), aber es war nicht langweilig, dafür gab es viel zu viel zu sehen. Um halb sechs/sechs in etwa ist die Sonne aufgegangen und Daugavpils war so schön wie nie zuvor;)
Dann sind wir über die Daugava gefahren (deutsch Düna) und alles außenherum war voller Nebel. Auf den Wiesen waren kleine Heuberge und Störche standen drauf oder auf den Wiesen. Und ich habe die kleinen Häuschen / Hüttchen gesehen, von denen ich oben geredet habe. Es war wunderschön.
Im Wald angekommen habe ich einen Korb und ein Messer bekommen und durfte auch Pilze sammeln. Alles war sehr grün (klar, war ja ein Wald), aber anders als in Deutschland, weniger Müll und viel mehr grün auch auf dem Boden. Zum Teil ist die Moosschicht wahrscheinlich einen viertel Meter dick. So etwa. Ich hab auch Pilze gesehen, und mitgenommen, aber es waren meistens die falschen, sodass ich sie wieder wegschmeißen durfte;) Dann sind wir noch ein Stückchen weiter gefahren und ich war etwas irritiert wegen vieler großer Löcher im Boden (etwa 1-3m tief und ein Durchmesser von sagen wir mal 3-6m in der Regel), alles war wieder total verwildert, sah aber doch unnatürlich aus. Vielleicht, weil es die Masse war. Auf jeden Fall hat mich mein Gastopa aufgeklärt, dass das im zweiten Weltkrieg der Schutz vor Schüssen (keine Ahnung, wie das in der "Fachsprache" heißt) für Russen und Deutsche war. Und das ist dann doch irgendwie ein komisches Gefühl gewesen. Klar, ich weiß, ich bin nicht Schuld, in keinster Weise, aber zu wissen, dass hier vor 70 Jahren die Front war, Leichen rumlagen und sich meine und die Vorfahren von meiner Gastfamilie abgeschossen haben (vermute ich jetzt mal, dass von meiner Seite wer im Krieg war, weiß ich, und ich denke, bei denen wars nicht anders) ist schon ein beklemmendes Gefühl.
Ich hatte aber überhaupt nicht das Gefühl, dass bei irgendwelchen Erklärungen ein Vorwurf mitschwingt oder so.
Ach ja, wenn ich irgendwie mit den älteren Leuten reden will und es nicht auf Russisch kann, bietet sich immer Deutsch an, das haben die nämlich komischerweise zu einem großen Teil in der Schule gehabt. Das heißt jetzt nicht, dass sie viel verstehen, aber mehr als in Englisch;)

Einen Vorfall gibt es noch, von dem ich erzählen muss. Der eigentliche Auslöser für diesen Blog, der ja aus Langeweile entstanden ist, liegt auch im Wald:
Ich bin durch den Wald marschiert und der Waldboden war ziemlich ziemlich feucht. Und ist komischerweise auch immer feuchter geworden. Ich hab mir nichts draus gemacht, hatte ja meine "Kampfkleidung" (Kopftuch gegen Zecken, Gummistiefel, Trainingshose) an. Und ich habe gedacht, dass es wieder trockener wird. War dann aber nicht so und plötzlich lag da ein Baumstamm, den ich leider nicht gesehen habe und hinter diesem Baumstamm war ein Loch. Und in dem Loch war Wasser. Ich war ziemlich nass;)
Und das ist (nehme ich an) der Grund dafür, dass ich krank geworden bin. In die Schule bin ich dann auch nicht mehr gegangen...
Und ich habe gedacht, hmh, Erkältung, macht nichts, schnell vorbei. Aber hier gabs viiiiiiiele Medikamente und vor allem wars nichts mit schnell vorbei.
Erst habe ich seltsame Heilmethoden kennengelernt. Ich habe geschmolzene Butter mit kleinen Knoblauchstücken in die Nase bekommen (als natürliches Antibiotikum), habe mit Salzlösung gespült (die dann leider in mein Ohr gelaufen ist...), habe Knoblach in den Mund bekommen, den ich aber nicht runterschlucken durfte, sondern nur im Mund behalten sollte (für, naja, so "2-3hours"). Ich hab viiiiiel Tee getrunken, noch mehr als sonst ;), Sirup, Honig, alles eigentlich. Und habe Kiefernzweige in die Ärmel und Socken bekommen, bei irgendwelchen Akupunkturpunkten. Und dann sind wir zum Arzt gegangen, weil man, wenn man mehr als drei Tage fehlt (im Jahr!) eine Entschuldigung vom Arzt braucht. Das war am Dienstag. Ich hab mich total gesund gefühlt, hab mir gedacht, jetzt ists vorbei, jetzt darf ich wieder in die Schule, weil, was soll ich zu Hause? Da kann ich ja doch nichts machen. Aber nichts wars. Diese Frau hat mir Antibiotika verschrieben, weil "alles in mir angeschwollen" ist, das Antibiotika hab ich dann nicht genommen, aber das ist ja erstmal nebensächlich... UND sie hat mich noch acht Tage krank geschrieben. Bis Mittwoch.
Meine Gastmutter ist jetzt der Meinung, vielleicht können wir die Entschuldigung irgendwie verändern, dass ich schon morgen in die Schule kann;) Hoffentlich geht das, oder wenigstens übermorgen. Obwohl... Da ist eine Doppelstunde Mathe:D
Egal. Wir werden sehen...:)








Samstag, 18. September 2010

Erster Schultag

So, und weil ich ja heute ähnlich wenig zu tun habe, wie gestern, schreibe ich mal was über den ersten Schultag.:)

Am 31.08., dem Tag vor dem ersten Schultag, wird hier der letzte Tag des Sommers zelebriert. Das hieß in meinem Fall erst mal vormittags Schulsachen kaufen (ich brauchte ja erst mal kaum was) und nachmittags dann, juhhuuu, zur Kosmetikerin. Da haben Katrina, meine Gastschwester, und Marija und ich 10 verschieden Cremes ins Gesicht bekommen (ihr wisst ja, wies um meine Gesichtshaut bestellt ist, also keine Ahnung, ob das gut oder schlecht war:D). Und eine ultimative Beratung für gerade mal 50 Santimes, wobei das bei mir eigentlich unnütz war, ich hab ja kein Wort verstanden, von dem, was die gute Frau so erzählt hat. :) Aber ansonsten wars ganz lustig, also, das mit den Cremes.
Abends sind dann Babuschka und Deduschka, also meine Gastoma und mein Gastopa zum Kuchen essen gekommen und es gab Geschenke (für mich auch:)): Einen Regenschirm, weil es hier im Herbst so viel regnet (momentan aber deutlich weniger als in Deutschland:P) und einen Notizblock und Walnüsse mit Geld drin. Da haben sie die Schalen geknackt und wieder zusammengeklebt.

Am 1. September, das ist ja in Lettland immer der erste Schultag, hat sich Katrina für um fünf (!) Uhr den Wecker gestellt um sich dann schick zu machen, mit Haarkur und allem drum und dran. Ich hatte ja extra in Deutschland ein graues Kleid gekauft, aber das konnte ich nicht anziehen, wurde mir zumindest gesagt, weil man hier schwarz-weiß trägt. Das hatte ich aber leider nicht, weil, keine Ahnung, weil. Wahrscheinlich, weil ich meine schwarze Jeans letztes Jahr gesprengt habe und ich keine neue gekauft habe. Und in die von der Konfirmation passe ich nicht mehr rein;)
Deshalb habe ich dann was von meiner Gastmutter und meine blau-weiß-gestreifte Bluse (die war scheinbar in Ordnung) angezogen. War dann in Ordnung so. Zum Frühstück gabs Spaghetti, ich vermute mal, weil sich mein Gastbruder das so gewünscht hat, war dann aber doch ein wenig gewöhnungsbedürftig. Aber seitdem gabs das (glücklicherweise) auch nicht noch mal!
Um acht Uhr sind wir dann zur Schule gefahren worden, das heißt: Eigentlich ist nur mein Bruder gefahren worden, wir sind auf Wunsch von Katrina gelaufen, was für meine Füße wirklich nicht die beste Idee war. Sie musste nochmal "üben", wie man auf Absatzschuhen läuft, aber mir wäre es (zumindest im Nachhinein) lieber gewesen, ich wäre gestakst, aber mir hätten die Füße nachher nicht soooo unglaublich weh getan.
In der Schule wurde ich ganz kurz meiner Klasse vorgestellt (meine Klassenlehrerin kannte ich ja schon und ich wusste auch schon, dass ich in eine 12. Klasse gehen würde, also in die Abschlussklasse in Lettland) und dann mussten wir uns in "pärchenweise" aufstellen und zum "Einmarschieren" bereitmachen. Und dann sind wir in die zur Aula umfunktionierte Sporthalle einmarschiert, es wurden Fotos gemacht (http://www.daugrc.edu.lv/Foto.html) und dann wurden unglaublich viele Reden gehalten, wo keiner zugehört hat (wie überall, ich versteh auch nicht, warum dann der Schulleiter, der Stellvertreter und die Stufenleiter oder keine Ahnung wer, alle zu Wort kommen müssen. Das ist in Deutschland genauso absurd wie in Lettland oder vermutlich anderswo und keiner verstehts...) und ich hatte die große Ehre, mich selbst vorzustellen. Ich hatte ziemlich, nennen wir es Respekt davor, weil ich mich kenne und wenn ich aufgeregt, dann irgendwas Komisches passiert. Aber es ist alles gut gegangen und an der Schule sind ja auch nur etwas über 300 Schüler, also gegenüber der WFS sehr schön klein:)
Danach, also nach der Sache in der Sporthalle, waren wir noch in der Klasse, ich konnte ein paar Leute kennen lernen und musste feststellen, dass die ziemlich gut Deutsch können (zum Teil besser als Englisch). Und wir haben "Glücksboxen" für das Jahr gebastelt:D Die sind ja auch erst alle 18 geworden. Aber alle sind sehr kreativ und künstlerisch begabt, da fühlt sich jemand mit zwei linken Händen wie ich leicht fehl am Platz:) Aber glücklicherweise haben wir seitdem nicht mehr gebastelt. Und der erste Schultag war schon um halb elf vorbei. Aber danach hat mich Katrina noch mit ein paar Freunden in die Stadt genommen. Da war ziemlich viel los. Man konnte Zuckerwatte kaufen, es gab Bühnen und Heliumballons (:D). Hatte ein bisschen Kirmescharakter. Nur (leider) ohne Karussels...:(
Und um fünf war ich dann so müde, dass ich im Konzert fast eingeschlafen bin. (Ich bin dann rausgegangen und hab mich ins Auto gelegt. Apropos Auto. Mein Gastmutter ist die beste Autofahrerin auf diesem Planeten. Sie fährt unglaublich. Gut, sie hat den Führerschein auch "erst" seit drei Jahren. Sie ist immer unglaublich nervös und jetzt hat sie beim Einparken einem hinten drauf gefahren, weil sie von ihrem letzten Einparkversuch so euphorisiert war. Der hat nämlich geklappt. Also, richtig gut. Glücklicherweise hatte das Auto eine Anhängekupplung, sodass sie nur ihr eigenes Auto kaputt gemacht hat. Also, das Nummernschild.
Gut, ansonsten war der Tag aber sehr schön.
Der zweite Schultag war ähnlich entspannt, ich musste nur einen Vortrag (über mich!) halten und um 11 konnten wir wieder nach Hause.
Richtig angefangen hat die Schule erst an Tag drei. Eigentlich gehe ich gerne in die Schule, im Moment wünsche ich mir nichts sehnlicher;) -ich sterbe vor Langeweile!- nur Mathe ist der absolute Horror. Das Schlimmste ist ja, dass ich eigentlich fast alles können müsste. Aber ich kann nicht mal mehr eine normale Gleichung lösen. Geschweige denn, irgendetwas mit quadratischer Ergänzung. Und in zwei Monaten bekomme ich Noten in Lettisch, Mathe, Sport und Englisch.
In Bio verstehe ich fast alles. Genetik hatten wir ja schon- zumindest, das, was die jetzt machen. Und Deutsch ist das beste Fach. Ich verstehe alles und kann ihnen sogar noch was beibringen. Sie sind bestimmt sehr froh, dass sie jetzt wissen, dass man nicht Galle husten sagt, sondern was anderes;)
So, das wars erstmal.

Donnerstag, 16. September 2010

Die ersten Tage...

Am Flughafen



Die Freiheitsstatue, man beachte die armen Menschen, die den ganzen Tag davor marschieren müssen.

Ein lettischer Chor in Tracht


lettische Frau mit Tracht und traditionellem Instrument


Alle deutschen ATS an der Daugava


Meine neues "zu Hause"



Sveiki!

So. Das heißt Hallo.
Ich habe keine Ahnung, wie man einen Blog schreibt, was ihr lesen wollt (falls das hier von irgendwem gelesen wird!) und selbstverständlich habe ich aufgrund der Tatsache, dass ich sowas noch nie gemacht habe, auch absolut keine Ahnung, wie man das alles einstellt.
Ich dachte ja, dass es Spaß machen würde. Eventuell- immerhin würde es besser sein, als "krank" zu Hause zu sein. Weit gefehlt! Ich fliege regelmäßig aus meinem Internet, habe keine Ahnung, was "gadgets" sind und bin generell ein bisschen überfordert.:) Aber was solls? Jetzt hab ich das angefangen und jetzt ziehe ich das auch durch-obwohl ich mich vor heute Morgen ja noch vehement gegen einen eigenen Blog ausgesprochen habe...

Gut, ich bin ja schon seit dem 20. August hier. Vielleicht fange ich -für alle, die noch (immer) Nichts von mir gehört haben, einfach mal vorne an:
Am 20. August sind wir also am Frankfurter Flughafen gestartet und nach (immerhin) 1 Stunde und 40 Minuten in Riga gelandet. Da sind wir von AFS-Betreuern abgeholt worden (die alle Deutsch konnten) und mit denen gemeinsam ins "alte" Riga, nach Vecriga, gefahren. In Riga wurde gerade Rigas Fest gefeiert, weshalb ziemlich viel auf den Straßen los war, es gab Bühnen mit Musik und viele kleine Stände, wo Sachen wie zum Beispiel Bernsteine (typisch für Lettland, hier gibt es nämlich scheinbar wirklich noch welche;)) und kleine Matroschkas verkauft wurden. Besonders beeindruckend waren aber für mich (als Gegnerin von Absatzschuhen, zumindest an meinen Füßen, weil dann eine erhöhte Gefahr für Prellungen, Stauchungen und Brüche oder wenigstens Muskelkater besteht) die lettischen(und russischen) Damen, welche mit Absatzschuhen (Pfennigabsatz!), als wäre das nichts, über das Kopfsteinpflaster stolziert sind. Ich hatte ja meine Müh und Not mit meinem Rollkoffer. Außerdem war es unglaublich heiß. Nicht nur für mich, aber für mich wahrscheinlich besonders. Immerhin hatte ich die drei Schichten an, die nicht mehr in meinen Koffer gepasst haben...
In unserem Hostel hatten wir aber dann ein bisschen Zeit, bevor uns unsere Betreuer zum Stadtrundgang abgeholt haben.
Riga ist sehr schön. Klar, wir hatten auch Glück mit dem Wetter, aber die Jugendstilhäuser, der riesige Park mitten in der Stadt... Und es war sehr sehr sauber. Also, nichts mit Müll, der einfach irgendwo rumgeschmissen wird. Dafür waren die Mülleimer hoffnungslos überfüllt...
Wir waren noch an der Daugava und an der alten Stadtmauer, aber ich denke, wenn ich alles erzähle, wird das zu lang zum Lesen, und ich meine, das muss man sich ja nicht antun. Beziehungsweise ich muss euch das nicht antun.

Nachmittags haben wir dann die anderen Austauschschüler aus den USA, Venezuela, und Thailand (hier sind unglaublich viele Thais) kennengelernt. Die richtigen Namen von den Thais konnte sich eigentlich keiner merken. Aber sie hatten alle suuuper Spitznamen, wie Piggy oder Ock, keine Ahnung, wer sich sowas ausdenkt. ;)
Gut, alles andere ist unwichtig. Vielleicht noch kurz das erste Erlebnis mit lettischem Essen: Also, ich wusste ja, dass mit viel Kümmel gekocht wird, und so wars dann auch.
Abends waren wir in einer Ednīca essen, was laut Wörterbuch ein "Essenshaus" ist... Und es gab: Schwarzbrot mit Kümmel (viel Kümmel, aber glücklicherweise gemahlen), Kartoffeln und Fleisch und Salat. Ich weiß nicht, wie sie an die Kartoffeln Kümmel machen konnten, aber sie konnten.
Als Nachtisch, das war das Gute, gab es aber dann Pudding von selbst gepflückten Beeren und von den Betreuern gab es das erste Mal das berühmt berüchtigte Kārums, was es -schade für euch- nicht in Deutschland gibt.

Am nächsten Tag sind wir um etwa 16 Uhr von unseren Familien abgeholt worden. Das hat AFS ganz super (Ironie) inszeniert, wir haben Blumensträuße für die Gastmütter bekommen (das macht man hier so, zu jedem Anlass Blumen) und mussten dann, als alle Reden gehalten worden waren, einmarschieren und dann einzeln nach vorne kommen. Wahrscheinlich war es aber so besser. Da hatte man dann einen Grund zu lachen. Wir hatten nämlich eigentlich alle Probleme, uns zu verständigen. Von mir sind nur meine Gasteltern gekommen, und die können beide kein Englisch, kein Deutsch und noch nicht mal Lettisch. trotzdem hab ich mich nicht unwohl gefühlt, weil meine Gastmutter die ganze Zeit gelächelt hat und unglaublich glücklich aussah, vermutlich in dem Moment glücklicher als ich, weil mir dann doch klar geworden ist, was ich gemacht habe, als ich stinkefaul einfach nicht gelernt habe... Aber wir haben dann probiert, uns über Wörterbuch, Malblock und Pantomime zu verständigen. Das war auch nicht sooo unangenehm, weil alle um uns herum, das gleiche probiert haben.
Danach sind wir auch gleich in Richtung Daugavpils gefahren, wir hatten ja einen ziemlich langen Weg (etwa 2 1/2 bis 3 Stunden).

Für alle, die interessiert sind, wo ich gelandet bin, ist der Teil, alle anderen, die noch dabei sind, können weiter unten weiterlesen :)

Daugavpils ist die Hauptstadt von Latgale, der ärmsten von den vier lettischen Regionen. In Latgale lebt ein Drittel der lettischen Bevölkerung, ein großer Teil, vor allem in Daugavpils, ist russischstämmig.
Daugavpils liegt an der Daugava, wurde im 12. Jahrhundert von dem deutschen Ritterorden gegründet (und hieß damals noch Dünaburg) und ist eine Stadt mit heute circa 100000 Einwohnern und damit die zweitgrößte Stadt Lettlands. Berühmt ist Daugavpils für seine Festung, die Dinaburg/Dünaburg, welche auf der ganzen Welt einzigartig und vor allem noch sehr gut erhalten ist.

Gut, "zu Hause" angekommen wirkte alles doch eher trist, wahrscheinlich durch die vielen grauen Plattenbauten, das einzige, was auf den ersten Blick ansprechend, also, wirklich, wirklich ansprechend wirkt, sind die Kirchen. Ich wohne jetzt auch im Plattenbau. War darüber nicht schockiert, das hatte ich ja erwartet. Auch, dass ich mir das Zimmer mit meiner Gastschwester teilen muss und mein Gastbruder wegen mir auf dem Sofa schläft, das verschafft mir lediglich ein schlechtes Gewissen, ist aber ok. Aber ich hatte mit einem Hund gerechnet. Es sind drei (waren, als ich gekommen bin, vier, aber einer ist gestorben;)).
Dafür habe ich eine supernette Familie, als ich gekommen bin, haben sich meine Gastschwester und mein Gastbruder, die ja zu Hause warten mussten, total gefreut. Sie hatte das typisch lettische Gericht Sushi gekocht. Was ganz gut war, ich hatte nicht schon wieder Lust auf (viel) Kümmel;)
Schön war auch, wie sie sich über die Gastgeschenke gefreut haben. Wobei ich das zum Beispiel bei Schokolade seeeeeeeehr gut nachvollziehen kann:P
Gut. Ich habe jetzt keine Ahnung, wie viele Zeichen geschrieben und keine Lust mehr. Ich vermute eh nicht, dass irgendwer bis hierher gelesen hat:) Wenn doch, dann hoffe ich, dass es nicht zu langweilig war. Und ich verspreche, ich mache mich an den ziemlich nichtssagenden Hintergrund und lade für Annika mal Bilder hoch (und für den Rest natürlich auch), aber nicht jetzt. Ich kann nicht mehr. :)