Ok, was ist in der Zeit alles passiert?!
Wir hatten das zweite AFS-Camp, also das Late-Arrival-Camp, in Sēja, was ungefähr eine Stunde nördlich von Rīga und mitten in der Pampa liegt. Eigentlich hatte ich an dem Tag auch einen Klassenausflug, da konnte ich dann aber leider nicht hin, weil ich sonst (laut Ieva Vīksna) fünf Kilometer durch den Wald hätte laufen müssen, wo absolut nichts ist. Ich dachte ja, sie hätte mich verarscht, war aber dann wirklich so...
Es war total schön, sich mit den anderen Austauschschülern zu treffen und auszutauschen. Allein der Austausch (also, der "Gedankenaustausch" im Ausland mit den anderen Austauschschülern) ist es wert, mit einer Organisation wegzufahren-finde ich zumindest.
Das ganze Wochenende war dann auch eher wie Urlaub als alles andere. Und wir hatten diesen Sprachtest, vor dem alle so wahnsinnig viel Angst hatten. Aber das war dann doch eher unbegründet. Ich hab den lettischen gemacht und hatte alles richtig. Und keiner ist durchgefallen. Es war aber auch total einfach. Keine Ahnung, warum AFS da so einen Druck gemacht hat. Naja. Ansonsten haben wir das auch eher wie Urlaub gehandhabt, waren in der Sauna, haben gekickert (ich hab die deutsche Ehre gerettet, aber dass Thais nicht so gut Fußball spielen, wussten wir ja vorher schon:D:D)
Ansonsten haben wir an dem Wochenende typische AFS-Spiele gespielt (Beispiel: Wie bekommt man 20 (keine Ahnung, was die genaue Zahl ist) Austauschschüler dazu, einen viel zu kurzen Bindfaden sowohl durch Oberteil als auch durch Hose zu ziehen? Es hat (unglaublicherweise) geklappt. Und weil AFS -natürlich- keine Spiele ohne Sinn spielt, wurde uns dann mitgeteilt, dass wir ja jetzt gesehen haben, dass nichts unmöglich ist...), uns gut unterhalten und Verstecken mit Freischlagen gespielt . Bis um vier Uhr morgens...:D
Und am Sonntag wars dann auch wieder vorbei. Was wirklich schade ist, weil ich die meisten erst zur Weihnachtsfeier wiedersehe...
In der Woche nach dem Camp hätte ich eigentlich noch Schule gehabt, aber ich musste mal wieder zu Hause bleiben. Diese Fürsorge bei "Krankheiten" kann einem ein bisschen auf den Geist gehen. -Gut, ich muss zugeben, am Montag hatte ich keine Lust, in die Schule zu gehen, weil wir schwimmen gehabt hätten und wenn man aufs Schwimmen auch noch eine Note bekommt. Ich meine, ich mag schwimmen in Schwimmbädern sowieso nicht. Aber mit Note ist das ja ein Albtraum. Ich kann ja noch nicht mal einen Köpper. Und das nur, weil meine (Johannas) Kindergärtnerin mich ausgelacht hat. Sie ist Schuld! Aber gut:)
Aber weil ich starkes Fieber (ganze 37°C) hatte musste ich bis Freitag zu Hause sitzen. Weil das ja sehr hohe Temperatur ist. Ich hab ja probiert, mich mit den Leuten aus meiner Klasse darüber lustig zu machen, dass sich meine Gastmama so viele Gedanken macht. Aber das hat nicht so funktioniert, weil sie der selben Meinung waren. Und ich dachte immer, 37° wäre Normaltemperatur (also, fast). Und wenn man dann sagt, dass richtiges Fieber bei 39° (oder so) anfängt, dann wird man entgeistert angeguckt und erstmal darüber unterrichtet, dass die Temperatur dann nur noch um ein Grad steigen muss, bis man tot ist. Naja. Ich weiß nicht, wer aus meiner Familie dann noch am Leben wäre...
Aber gut. Das ist wohl etwas, wo ich mich dran gewöhnen muss. Vielleicht ist das hier aber auch einfach anders. Vielleicht stirbt man ja bei knappen 40°. Oder sowas.
Dafür ist die Frau Doktor genial. Ich weiß jetzt auch, warum sie der Lieblingsarzt von meiner Gastfamilie ist. Falls nämlich mal irgendwer für irgendetwas eine Entschuldigung braucht. Sie schreibt sie mit Sicherheit.
Meine Gastschwester war über einen Monat nicht im Theorieunterricht an der Musikschule und da hat die gute Frau keine Hemmungen, eine Entschuldigung zu schreiben (wie auch immer sie das begründet hat, weil Katrina ja schon im praktischen Unterricht war, aber das ist ja ihre Sache).
Wie dem auch sei. Ich hatte also mehr oder weniger zwei Wochen Ferien, wobei die erste Woche sehr sehr langweilig war.
Am Samstagmorgen bin ich dann mit dem frühen Zug nach Rīga gefahren und habe die beiden amerikanischen Austauschschüler getroffen und zusammen sind wir dann (nachdem ich ein Geburtstagspäckchen mit Karums, der besten lettischen Süßigkeit, die es leider nicht überlebt hat, abgeschickt habe und deswegen in der ganzen Post blamiert wurde;)) weiter nach Liepāja gefahren. Erst drei Stunden Zug und danach nochmal vier Stunden Bus. Das war ein bisschen anstrengend, weil ich ja auch so früh aufstehen musste. Die anderen Beiden mussten ja nur eine halbe Stunde bis Rīga fahren-ganz im Gegensatz zu mir.
Dafür ist die Landschaft auf dem Weg zum Meer immer schöner geworden. Blöderweise hat es aber die ganze Zeit geregnet und wir sind dann -in Liepāja angekommen- zu Fuß unser Hotel suchen gegangen. Im strömenden Regen und der erste wirkliche Gedanke war dann eher: Naja, das wird was werden.
Aber unser Hotel war super-als wir es dann gefunden hatten, konnten wir das ja dann auch beurteilen.
In unserem Zimmer war ein Ofen und ein Fernseher, der zwar ohne Ende geknattert hat, mit dem man dafür aber deutsches Fernsehen empfangen konnte, weswegen (nicht nur ich) das Knattern gerne in Kauf genommen habe. Und wir hatten ein eigenes Bad, was eine ganze Ecke größer war, als das hier in Daugavpils. Uuuund wir durften sowohl die Küche als auch den Gemeinschaftsraum im Haupthaus mitbenutzen. Ansonsten wäre es wahrscheinlich auch ein bisschen blöd geworden, weil es wirklich wirklich viel geregnet hat.
Deswegen haben wir uns auch dazu entschieden, nach mehr oder weniger erfolglosem Herumlaufen-das Einzige was wir gemacht haben, war Pizza im ersten Rokkafeinīca Lettlands zu uns zu nehmen(die war aber nicht schlecht;))- im Regen wieder ins Hotel zu gehen und da was zu kochen. Und danach haben wir Viva geguckt. Ich weiß, dass ist mit Sicherheit nicht das Beste, was das deutsche Fernsehen zu bieten hat. Aber RTL ist es auch nicht. Und wirklich was anderes gabs nicht...
Aber abends waren wir dann noch mal am Meer. Es war schon dunkel und total windig und richtig schön. Liepāja soll aber auch, neben Jūrmala den schönsten Strand von Lettland haben. Was auffällt ist, dass es richtig richtig sauber ist. Alle hier rauchen (fast alle), aber nirgendwo liegen Zigarettenreste, und auch kein anderer Müll. Aber Lettland hat sich ja zum Ziel gesetzt, bis zum hundertjährigen Geburtstag der Unabhängigkeit 2018, das sauberste land Europas zu werden. Mal sehen, was aus dem Vorhaben wird.
Und im Sommer möchte ich gerne mit dem Fahrrad von Ventspils nach Liepāja an der Küste runterfahren. Das geht-man kann direkt am Strand langfahren, weil der Sand so fest ist (da kann man dann auch sagen, dass man am Strand joggen war-was, wie die meisten wissen/sich denken können, um einiges anstrengender ist. Muss ja keiner wissen, dass es in Lettland war...).
Jetzt aber zurück zu letzter Woche. Nach dem Strand sind wir wieder zurück ins Hotel und haben weiter auch nichts besonderes gemacht. Am zweiten Tag, Sonntag, hat es auch geregnet, aber wir sind ganz "mutig" losgegangen und wollten ins Handwerksmuseum. Ich weiß gar nicht, wie lange wir das gesucht haben. Aber wir sind ziemlich nass geworden, nur um zu sehen, dass das Museum am Sonntag zu hat. Deswegen sind wir dann am Montag da hin. Da gibt es die längste Bernsteinkette der Welt (über 100 Meter) und ansonsten ist es eher ein Laden mit dazugehöriger Werkstatt gewesen, weshalb man wohl auch keinen Eintritt bezahlen musste. Das heißt aber auch nicht, dass es nicht interessant war. Es gab uralte Trachten und schöne Geschenke ( :) ) Und man konnte den Frauen beim Weben zugucken.
Soweit so gut, alles andere will ich jetzt nicht "so" detailliert wiedergeben. Eigentlich wollten wir noch nach Karosta, dem -soweit ich weiß- einzigen, für Besucher geöffneten, ehemaligen sowjetischen Militärgefängnis. Man kann da sogar schlafen, auf den Originalpritschen. Aber erstens ist es arschteuer (über zehn Euro die Nacht für einen mit Sicherheit nicht so angenehmen Schlaf) und zweitens ja dann auch nicht so richtig Urlaub. Wir wollten es auf jeden Fall nur besichtigen, aber blöderweise hat Allie eine Mandelentzündung bekommen und musste an unserem letzten Tag ins Krankenhaus (wo sie dann auch ganze fünf Tage bleiben musste). Ich weiß, das alles hört sich vermutlich ziemlich negativ an. Aaaaber es war richtig entspannend, die letzten beiden Tage hatten wir sehr viel Sonne und wir hatten unglaublich viel Spaß. Auch beim abends zu Hause sitzen und Viva gucken. Aber deutsches Fernsehen hat ja im Moment einiges zu bieten. Zum Beispiel "Nein, Mann!", was ja an sich wirklich wirklich richtig bescheuert ist, wenn man es mit Leuten ansieht, die die deutsche Sprache nicht beherrschen es aber doch ganz witzig werden kann (immerhin können sie "mitsingen", bei der sehr anspruchsvollen Melodie:P). Und wir hatten auch schlechtes russisches Fernsehen. Wenn den Russen oder Letten nämlich nichts mehr einfällt, dann nehmen sie einfach ausländische Fernsehserien (hier erfreut sich zum Beispiel die deutsche "RTL-Actionserie" "Alarm für Cobra 11" allergrößter Beliebtheit, aber auch das amerikanische "Wipeout" wird gern gesehen) und sprechen das Russisch oder Lettisch drüber. Was rauskommt ist ein sehr schlecht synchronisiertes Stück Unterhaltung, aber das ist denen wohl egal. :D
Achja, was wir noch gefunden haben: Einen indischen Laden mit richtig tollen Sachen. Bevor ich nach Hause fahre, muss ich da noch mal hin und mich für das Hippie-Festival einkleiden, zu dem Paula unbedingt will:D
Und schöne Buchläden. Und Cafes (andere, als das Rokkafeinīca:D). Es war auf jeden Fall zu schnell vorbei.
Und eine Woche Herbstferien sind definitiv zu wenig. Danach war ich noch bei Johanna, einer anderen Austauschschülerin aus Deutschland, die in der Nähe wohnt. Und da hatte ich dann leider nur noch einen Tag Zeit, um mich gut (und auf Deutsch, was doch ein kleiner Luxus ist) zu unterhalten, Fleisch zu essen (ihre Gastmama ist ein genialer Koch und im Gegensatz zu meiner Gastfamilie gibts da auch mal Fleisch) und deutsches Fernsehen zu sehen-und diesmal weder Viva noch RTL. Eher irgendwelche Late-Night-Shows, wie Zimmer frei oder Inas Nacht.Oder gute Filme. War dann viel zu schnell vorbei, die Woche. Ich will wieder Ferien:(
Aber der erste Schultag nach den Ferien war dann doch besser als gedacht. Ich habe mich tatsächlich auf lettisch unterhalten. Nicht über ganz komplizierte Sachen, aber doch über einiges. Zum perfekten Smalltalk fehlt mir jetzt nur noch das "Wetter-Vokabular":D
Ansonsten ist alles wie immer. Meine erste Mathearbeit wurde ja zum Glück nicht bewertet, da war nämlich glaube ich so ziemlich alles falsch. ich hab aber auch nichts verstanden! Und die zweite, die ich gestern geschrieben hab, war glaube ich ziemlich gut. Gut, ich muss zugeben, meine Mathelehrerin hat mir auch eine Extraarbeit entworfen, ich musste nicht das schreiben, was die anderen geschrieben haben. Jetzt kommt nur noch Englisch. Keine Ahnung, wann ich das machen will (ich kanns mir aussuchen, aber die Woche ist ja schon fast vorbei, also hab ich nur noch zwei Tage...), aber ich hab nicht wirklich Lust, ein Essay über "Ehrgeiz, gut oder schlecht?" zu schreiben. So ein Müll. Außerdem sind die alle besser:(
:D
So weit von der Front. Fotos kommen bald. Jetzt hab ich keinen Nerv mehr.