Mittwoch, 3. November 2010

Bunt sind schon die Wälder...

Gut, sie sind jetzt auch schon fast kahl und ich muss doch zugeben, dass seit dem 9. Oktober schon fast ein Monat vergangen ist.  Aber neuerdings bin ich so beschäftigt. Immer lange Schule und danach Gitarre oder fotokursi. Außer am Freitag hab ich immer was. Und meinen Sprachunterricht hab ich ja auch noch. Seit heute darf ich sogar in den Russisch-Unterricht (mit Achtklässlern, aber was solls. Irgendwie muss ichs ja lernen) und muss dafür nicht mehr zu Physik und Chemie.


Ok, was ist in der Zeit alles passiert?!
Wir hatten das zweite AFS-Camp, also das Late-Arrival-Camp, in Sēja, was ungefähr eine Stunde nördlich von Rīga und mitten in der Pampa liegt. Eigentlich hatte ich an dem Tag auch einen Klassenausflug, da konnte ich dann aber leider nicht hin, weil ich sonst (laut Ieva Vīksna) fünf Kilometer durch den Wald hätte laufen müssen, wo absolut nichts ist. Ich dachte ja, sie hätte mich verarscht, war aber dann wirklich so...


Es war total schön, sich mit den anderen Austauschschülern zu treffen und auszutauschen. Allein der Austausch (also, der "Gedankenaustausch" im Ausland mit den anderen Austauschschülern) ist es wert, mit einer Organisation wegzufahren-finde ich zumindest.
Das ganze Wochenende war dann auch eher wie Urlaub als alles andere. Und wir hatten diesen Sprachtest, vor dem alle so wahnsinnig viel Angst hatten. Aber das war dann doch eher unbegründet. Ich hab den lettischen gemacht und hatte alles richtig. Und keiner ist durchgefallen. Es war aber auch total einfach. Keine Ahnung, warum AFS da so einen Druck gemacht hat. Naja. Ansonsten haben wir das auch eher wie Urlaub gehandhabt, waren in der Sauna, haben gekickert (ich hab die deutsche Ehre gerettet, aber dass Thais nicht so gut Fußball spielen, wussten wir ja vorher schon:D:D)
Ansonsten haben wir an dem Wochenende typische AFS-Spiele gespielt (Beispiel: Wie bekommt man 20 (keine Ahnung, was die genaue Zahl ist) Austauschschüler dazu, einen viel zu kurzen Bindfaden sowohl durch Oberteil als auch durch Hose zu ziehen? Es hat (unglaublicherweise) geklappt. Und weil AFS -natürlich- keine Spiele ohne Sinn spielt, wurde uns dann mitgeteilt, dass wir ja jetzt gesehen haben, dass nichts unmöglich ist...), uns gut unterhalten und Verstecken mit Freischlagen gespielt . Bis um vier Uhr morgens...:D
Und am Sonntag wars dann auch wieder vorbei. Was wirklich schade ist, weil ich die meisten erst zur Weihnachtsfeier wiedersehe...
In der Woche nach dem Camp hätte ich eigentlich noch Schule gehabt, aber ich musste mal wieder zu Hause bleiben. Diese Fürsorge bei "Krankheiten" kann einem ein bisschen auf den Geist gehen. -Gut, ich muss zugeben, am Montag hatte ich keine Lust, in die Schule zu gehen, weil wir schwimmen gehabt hätten und wenn man aufs Schwimmen auch noch eine Note bekommt. Ich meine, ich mag schwimmen in Schwimmbädern sowieso nicht. Aber mit Note ist das ja ein Albtraum. Ich kann ja noch nicht mal einen Köpper. Und das nur, weil meine (Johannas) Kindergärtnerin mich ausgelacht hat. Sie ist Schuld! Aber gut:)
Aber weil ich starkes Fieber (ganze 37°C) hatte musste ich bis Freitag zu Hause sitzen. Weil das ja sehr hohe Temperatur ist. Ich hab ja probiert, mich mit den Leuten aus meiner Klasse darüber lustig zu machen, dass sich meine Gastmama so viele Gedanken macht. Aber das hat nicht so funktioniert, weil sie der selben Meinung waren. Und ich dachte immer, 37° wäre Normaltemperatur (also, fast). Und wenn man dann sagt, dass richtiges Fieber bei 39° (oder so) anfängt, dann wird man entgeistert angeguckt und erstmal darüber unterrichtet, dass die Temperatur dann nur noch um ein Grad steigen muss, bis man tot ist. Naja. Ich weiß nicht, wer aus meiner Familie dann noch am Leben wäre...
Aber gut. Das ist wohl etwas, wo ich mich dran gewöhnen muss. Vielleicht ist das hier aber auch einfach anders. Vielleicht stirbt man ja bei knappen 40°. Oder sowas. 
Dafür ist die Frau Doktor genial. Ich weiß jetzt auch, warum sie der Lieblingsarzt von meiner Gastfamilie ist. Falls nämlich mal irgendwer für irgendetwas eine Entschuldigung braucht. Sie schreibt sie mit Sicherheit. 
Meine Gastschwester war über einen Monat nicht im Theorieunterricht an der Musikschule und da hat die gute Frau keine Hemmungen, eine Entschuldigung zu schreiben (wie auch immer sie das begründet hat, weil Katrina ja schon im praktischen Unterricht war, aber das ist ja ihre Sache).
Wie dem auch sei. Ich hatte also mehr oder weniger zwei Wochen Ferien, wobei die erste Woche sehr sehr langweilig war. 
Am Samstagmorgen bin ich dann mit dem frühen Zug nach Rīga gefahren und habe die beiden amerikanischen Austauschschüler getroffen und zusammen sind wir dann (nachdem ich ein Geburtstagspäckchen mit Karums, der besten lettischen Süßigkeit, die es leider nicht überlebt hat, abgeschickt habe und deswegen in der ganzen Post blamiert wurde;)) weiter nach Liepāja gefahren. Erst drei Stunden Zug und danach nochmal vier Stunden  Bus. Das war ein bisschen anstrengend, weil ich ja auch so früh aufstehen musste. Die anderen Beiden mussten ja nur eine halbe Stunde bis Rīga fahren-ganz im Gegensatz zu mir. 
Dafür ist die Landschaft auf dem Weg zum Meer immer schöner geworden. Blöderweise hat es aber die ganze Zeit geregnet und wir sind dann -in Liepāja angekommen- zu Fuß unser Hotel suchen gegangen. Im strömenden Regen und der erste wirkliche Gedanke war dann eher: Naja, das wird was werden. 
Aber unser Hotel war super-als wir es dann gefunden hatten, konnten wir das ja dann auch beurteilen. 
In unserem Zimmer war ein Ofen und ein Fernseher, der zwar ohne Ende geknattert hat, mit dem man dafür aber deutsches Fernsehen empfangen konnte, weswegen (nicht nur ich) das Knattern gerne in Kauf genommen habe. Und wir hatten ein eigenes Bad, was eine ganze Ecke größer war, als das hier in Daugavpils. Uuuund wir durften sowohl die Küche als auch den Gemeinschaftsraum im Haupthaus mitbenutzen. Ansonsten wäre es wahrscheinlich auch ein bisschen blöd geworden, weil es wirklich wirklich viel geregnet hat. 
Deswegen haben wir uns auch dazu entschieden, nach mehr oder weniger erfolglosem Herumlaufen-das Einzige was wir gemacht haben, war Pizza im ersten Rokkafeinīca Lettlands zu uns zu nehmen(die war aber nicht schlecht;))- im Regen wieder ins Hotel zu gehen und da was zu kochen. Und danach haben wir Viva geguckt. Ich weiß, dass ist mit Sicherheit nicht das Beste, was das deutsche Fernsehen zu bieten hat. Aber RTL ist es auch nicht. Und wirklich was anderes gabs nicht...
Aber abends waren wir dann noch mal am Meer. Es war schon dunkel und total windig und richtig schön. Liepāja soll aber auch, neben Jūrmala den schönsten Strand von Lettland haben. Was auffällt ist, dass es richtig richtig sauber ist. Alle hier rauchen (fast alle), aber nirgendwo liegen Zigarettenreste, und auch kein anderer Müll. Aber Lettland hat sich ja zum Ziel gesetzt, bis zum hundertjährigen Geburtstag der Unabhängigkeit 2018, das sauberste land Europas zu werden. Mal sehen, was aus dem Vorhaben wird. 
Und im Sommer möchte ich gerne mit dem Fahrrad von Ventspils nach Liepāja an der Küste runterfahren. Das geht-man kann direkt am Strand langfahren, weil der Sand so fest ist (da kann man dann auch sagen, dass man am Strand joggen war-was, wie die meisten wissen/sich denken können, um einiges anstrengender ist. Muss ja keiner wissen, dass es in Lettland war...).
Jetzt aber zurück zu letzter Woche. Nach dem Strand sind wir wieder zurück ins Hotel und haben weiter auch nichts besonderes gemacht. Am zweiten Tag, Sonntag, hat es auch geregnet, aber wir sind ganz "mutig" losgegangen und wollten ins Handwerksmuseum. Ich weiß gar nicht, wie lange wir das gesucht haben. Aber wir sind ziemlich nass geworden, nur um zu sehen, dass das Museum am Sonntag zu hat. Deswegen sind wir dann am Montag da hin. Da gibt es die längste Bernsteinkette der Welt (über 100 Meter) und ansonsten ist es eher ein Laden mit dazugehöriger Werkstatt gewesen, weshalb man wohl auch keinen Eintritt bezahlen musste. Das heißt aber auch nicht, dass es nicht interessant war. Es gab uralte Trachten und schöne Geschenke ( :) ) Und man konnte den Frauen beim Weben zugucken. 
Soweit so gut, alles andere will ich jetzt nicht "so" detailliert wiedergeben. Eigentlich wollten wir  noch nach Karosta, dem -soweit ich weiß- einzigen, für Besucher geöffneten, ehemaligen sowjetischen Militärgefängnis. Man kann da sogar schlafen, auf den Originalpritschen. Aber erstens ist es arschteuer (über zehn Euro die Nacht für einen mit Sicherheit nicht so angenehmen Schlaf) und zweitens ja dann auch nicht so richtig Urlaub. Wir wollten es auf jeden Fall nur besichtigen, aber blöderweise hat Allie eine Mandelentzündung bekommen und musste an unserem letzten Tag ins Krankenhaus (wo sie dann auch ganze fünf Tage bleiben musste). Ich weiß, das alles hört sich vermutlich ziemlich negativ an. Aaaaber es war richtig entspannend, die letzten beiden Tage hatten wir sehr viel Sonne und wir hatten unglaublich viel Spaß. Auch beim abends zu Hause sitzen und  Viva gucken. Aber deutsches Fernsehen hat ja im Moment einiges zu bieten. Zum Beispiel "Nein, Mann!", was ja an sich wirklich wirklich richtig bescheuert ist, wenn man es mit Leuten ansieht, die die deutsche Sprache nicht beherrschen es aber doch ganz witzig werden kann (immerhin können sie "mitsingen", bei der sehr anspruchsvollen Melodie:P). Und wir hatten auch schlechtes russisches Fernsehen. Wenn den Russen oder Letten nämlich nichts mehr einfällt, dann nehmen sie einfach ausländische Fernsehserien (hier erfreut sich zum Beispiel die deutsche "RTL-Actionserie" "Alarm für Cobra 11" allergrößter Beliebtheit, aber auch das amerikanische "Wipeout" wird gern gesehen) und sprechen das Russisch oder Lettisch drüber. Was rauskommt ist ein sehr schlecht synchronisiertes Stück Unterhaltung, aber das ist denen wohl egal. :D
Achja, was wir noch gefunden haben: Einen indischen Laden mit richtig tollen Sachen. Bevor ich nach Hause fahre, muss ich da noch mal hin und mich für das Hippie-Festival einkleiden, zu dem Paula unbedingt will:D
Und schöne Buchläden. Und Cafes (andere, als das Rokkafeinīca:D). Es war auf jeden Fall zu schnell vorbei. 

Und eine Woche Herbstferien sind definitiv zu wenig. Danach war ich noch bei Johanna, einer anderen Austauschschülerin aus Deutschland, die in der Nähe wohnt. Und da hatte ich dann leider nur noch einen Tag Zeit, um mich gut (und auf Deutsch, was doch ein kleiner Luxus ist) zu unterhalten, Fleisch zu essen (ihre Gastmama ist ein genialer Koch und im Gegensatz zu meiner Gastfamilie gibts da auch mal Fleisch) und deutsches Fernsehen zu sehen-und diesmal weder Viva noch RTL. Eher irgendwelche Late-Night-Shows, wie Zimmer frei oder Inas Nacht.Oder gute Filme. War dann viel zu schnell vorbei, die Woche. Ich will wieder Ferien:(

Aber der erste Schultag nach den Ferien war dann doch besser als gedacht. Ich habe mich tatsächlich auf lettisch unterhalten. Nicht über ganz komplizierte Sachen, aber doch über einiges. Zum perfekten Smalltalk fehlt mir jetzt nur noch das "Wetter-Vokabular":D
Ansonsten ist alles wie immer. Meine erste Mathearbeit wurde ja zum Glück nicht bewertet, da war nämlich glaube ich so ziemlich alles falsch. ich hab aber auch nichts verstanden! Und die zweite, die ich gestern geschrieben hab, war glaube ich ziemlich gut. Gut, ich muss zugeben, meine Mathelehrerin hat mir auch eine Extraarbeit entworfen, ich musste nicht das schreiben, was die anderen geschrieben haben. Jetzt kommt nur noch Englisch. Keine Ahnung, wann ich das machen will (ich kanns mir aussuchen, aber die Woche ist ja schon fast vorbei, also hab ich nur noch zwei Tage...), aber ich hab nicht wirklich Lust, ein Essay über "Ehrgeiz, gut oder schlecht?" zu schreiben. So ein Müll. Außerdem sind die alle besser:(
:D

So weit von der Front. Fotos kommen bald. Jetzt hab ich keinen Nerv mehr. 





Samstag, 9. Oktober 2010

Lacht ruhig...

So. 
Das sind jetzt also die Bilder, die einige von euch unbedingt sehen wollten. Viel Spaß. Und vergesst nicht, zu begutachten, wie viel Spaß ich hatte:D
Komischerweise sieht das hier auf den Bildern so aus, als hätte ich überhaupt keinen Spaß gehabt. Ich sage euch, so wars jetzt auch nicht. Aber verglichen mit dem Spaß, den meine Gastfamilie hatte, war meiner wohl kaum messbar;)
Aber gut. Den meisten Spaß hat es ja auch gemacht, zu sehen, wie ernst sie das Ganze nehmen. Und wie man sieht, haben sich weder mein Gastopa noch mein Gastvater geweigert. In Deutschland wäre das undenkbar gewesen. Stellt euch meinen papa oder meinen Opa mal in den Kostümen vor:D:DAber ich muss auch sagen, dass ich aufs Verkleiden in der nächsten Zeit verzichten kann. Vielleicht das nächste Mal am 4.Juli zur Kirmes.:) Hoffentlich wird das nicht wiederholt:D:D
Ich wünsch euch sehr viel Spaß!

 









Achja, eine AFS-Betreuerin hat mir jetzt gesagt, dass das in Lettland sozusagen neuer Trend ist, sich zu verkleiden und dann um die 500-1000 Fotos zu machen. (Wir hatten 623, von denen ein Großteil (meines Erachtens nach) überflüssig gewesen wäre, aber was solls...:))
Also, ganz sicher, ob das noch mal kommt, kann ich mir also nicht sein!

Montag, 4. Oktober 2010

Riga, AFS-Geburtstag, mein Geburtstag, skolotaja diena...

So, ich muss dringend mal was Neues schreiben. Es ist so viel passiert...

Eigentlich müsste ich euch auch mal über die Schule informieren. Aber das mach ich später. Sprengt gerade glaub ich den Rahmen.

Also. Ich glaube, das letzte Mal bin ich bei Riga stehen geblieben. Seit dem 23. September war ich sogar schon zweimal in Riga. Das erste Mal am 24. Da musste ich in die Migrationsbehörde wegen meiner Aufenthaltsgenehmigung. War aber alles in Ordnung. Habe also die 40 oder 50 Euro (oder wie viel es war) richtig ausgegeben und nicht am falschen Ende gespart:) Johanna fehlt nämlich eine Apostille und jetzt müssen ihre Eltern das nochmal aus Deutschland schicken lassen...
Ja, und am achten Oktober kann ich diese Papiere dann abholen-auch wenn ich keine Vorstellung davon habe, was genau das ist. Aber mehr zu wissen, als dass ich es brauche, muss ich ja eigentlich auch nicht.
In Riga hatte ich dann noch ein bisschen Zeit, bis mein Zug zurückgefahren ist. Ungefähr vier Stunden hatte ich dann also Zeit. Eigentlich hatte ich gedacht, dass Johanna und ich was zuasmmen machen. Aber das ist dann doch anders gekommen. Achso, Johanna: Johanna ist auch Austauschschülerin aus Deutschland und wohnt auch in einer russischen Familie in Latgale-das heißt, sie und ich, wir sind die einzigen, die in dem Jahr vermutlich (wenigsten) ein bisschen Russisch lernen werden.
Naja, auf jeden Fall musste Johanna dann mit jemanden in die Schule gehen. Und ich hab mich alleine umgesehen. Was aber wirklich viel netter als gedacht war. In Rigas Altstadt gibt es ganz viele kleine Lädchen in den kleinen Gassen. Und ich war in einem Cafè (gegenüber vom kongelig norsk konsultat, das Einholen von der norwegischen Fahne konnte ich leider nicht mehr sehen, da war ich schon wieder in Daugavpils;)) in einer kleinen Gasse, habe Tee getrunken und ein Stück superleckeren Blätterteigkuchen gegessen. Kann ich nicht so genau erklären was das war (oben Blätterteig, unten Blätterteig, dazwische Käse, saure Gurken, gebratene Putenstreifen, ja. hört sich vielleicht nicht für jeden erstrebenswert an, war aber), auf jeden Fall sehr sehr lecker. Für alle anderen gabs aber auch "normalen" Kuchen. :)
Aber das war sehr gemütlich dadrin. Da konnte man auch Seifen und sowas kaufen... Ich hab mich aber nur hingesetzt und Karten geschrieben. Danach bin ich noch ein bisschen weiter gelaufen und habe soooooooo einen tollen Laden gefunden. Sehr klein, sehr fein. Erst bin ich vorbei gelaufen, aber als ich das Schaufenster auf der anderen Seite gesehen habe, bin ich wieder umgedeht;) Da gabs so kleine Sachen wie Filz-Matroschken, Seconhand-Kinderschuhe von Anno Dazumal, die wahrscheinlich keine Second-, sondern Fifthhand-Schuhe waren, wieder Seifen, ich habe ein Album gefunden, dass ich für die Fotos von diesem Jahr haben möchte...:)
Danach habe ich noch kurz Johanna und Darja (Dascha) getroffen und bin wieder nach "Hause" gefahren.

Die Woche war sehr kurz und schmerzlos. Es war glaub ich auch nicht wirklich was besonderes. Außer vielleicht der Gasunfall am Mittwoch. Alle mussten Husten, hatten Tränen in den Augen, aber die einzige "Sicherheitsmaßnahme", die unternommen wurde, war, uns in den Klassenräume zu schicken und eine Art Sperrzone bei den Garderoben einzurichten.:) War also scheinbar nicht so schlimm... Dabei hatten sich alle schon gefreut, früher zu gehen.

Am Mittwochabend ist Johanna gekommen und wir haben dann im Wohnzimmer geschlafen, damit wir die anderen nicht wecken. Am Donnerstag um sechs sind wir dann nämlich (wieder) nach Riga gefahren. Also sind wir um Viertel vor fünf aufgestanden, damit wir die Straßenbahn zum Bahnhof nehmen können, die laut Viktorija (meiner Gastmama) um 5:20 Uhr fährt. Als wir dann aber um zehn nach fünf vor dem Fahrplan standen, hat der uns gesagt, dass eine Stunde früher eine Bahn gefahren wäre und zehn Minuten später. Das wäre uns insgesamt aber ein bisschen knapp geworden, dann hätten wir nämlich noch ziemlich genau zwei Minuten zum Ticket kaufen gehabt. Und uns muss man ja auch erst mal verstehen...
Im Zug hatten wir dann drei Stunden Zeit, uns zu unterhalten oder zu gucken, wie schön es hier ist. Allerdings ist das Foto aus dem Zugfenster wirklich unter schwerigen Umständen entstanden und sieht auch so aus. Es war nicht nur die dreckige Scheibe, die fotografieren fast unmöglich gemacht hat....:)
In Riga haben wir erstmal (wieder) in dem schönen Cafe gefrühstückt und danach wollte ich Johanna den Laden zeigen. Komischerweise hab ich ihn einfach nicht mehr gefunden. Ich hab keine Ahnung mehr, wo der war! Und das ist so ärgerlich. aber nach drei Stunden suchen wollten wir dann (verständlicherweise) auch nicht mehr und haben uns stattdessen die Schwarzhäupterhäuser (oder eher das Schwarzhäupterhaus) angeguckt. Hauptsächlich aber wegen der Touristeninformation, die da drin ist. (Für Julia: Da haben wir uns auch nach dem Fernsehturm erkundigt. Da gehen wir mit Sicherheit nochmal hin, aber für den Tag wäre das zu viel gewesen, der ist nicht in der Altstadt...)
Und wir haben einen echt guten Reiseführer gekauft, der uns dann zu einem Klub geführt hat, in dem ein Vintageladen ist. Das war dann auch echt wirklich nochmal richtig nett. Und danach mussten wir ja zu unserem AFS-Treffen.

Das AFS-Treffen war, weil AFS Latvija 20 Jahre alt geworden ist. Und das sollte halt gefeiert werden. Am Donnerstag gabs dazu eine Diskussionsrunde irgendwo;) mit dem Präsidenten von AFS, und ganz vielen Leuten, hauptsächlich aus Europa. (Die Klimabilanz von dem Abend sollte man ganz weit verdrängen!)
naja, aber der Abend war echt schön und vor allem war es schön, alle Austauschschüler wiederzusehen. Unschlagbar waren aber die Musik und der "Geburtstagskuchen":D
Geschlafen habe ich bei einem AFS-Volunteer. Als wir in seine Wohnung gekommen sind, hat es verdächtig nach Räucherstäbchen gerochen. Ich weiß auch nicht warum, aber scheinbar habe ich eine Anziehungskraft auf Gastfamilien/Übergangsfamilien mit den hier seltenen Religionen Hinduismus und Buddhismus. Immerhin hält sogar Wikipedia es nicht für nötig, Anhänger dieser Religionen in Lettland zu erwähnen. Aber meine Gastfamilien haben immer ein Hang zu Buddha, Krishna oder irgendwem anders(bei über 2000 Göttern ist die Auswahl ja groß;))
Naja. Dafür war das Bett so schön weich, dass mich weder der Buddha noch die Räucherstäbchen stören konnten. Oh. Eine weiche Matratze ist göttlich! Hier in Daugavpils, das ist ja eher ein Brett. Und definitiv keine Matratze, wie ich sie kenne. Am Anfang dachte ich ja noch, dass ich mich nie daran gewöhnen werde. Aber es hat nur zwei Wochen gedauert und ich hab mich nicht mehr gefragt, wer sowas produzieren kann!:)
Am Freitag musste ich dann aber viel zu früh mein weiches Bett verlassen und ins AFS-Büro gehen. Da durfte ich mich dann auch nicht in der Stadt aufhalten. Das, was Johanna und ich am Donnerstag gemacht haben, war also eigentlich ein Regelbruch. Aber das wussten wir nicht...:) Die von AFS denken echt, wir könnten in der Altstadt verloren gehen. Und die ist in etwa so groß, wie die Kasseler Innenstadt. Und wir haben wirklich die absolute Touristenausstattung dabei gehabt. Karte, Karte Karte. Handy mit allen wichtigen Nummern, Reiseführer, wir wussten, wo das Goetheinstitut ist, so dass wir auch auf Deutsch fragen konnten und so weiter. Hat an dem Morgen aber glücklicherweise keinen gejuckt. Die waren alle viel zu beschäftigt mit irgendwelchen letzten Vorbereitungen.
Um 10 oder so sind wir dann losgefahren. Und zwar raus aus der Stadt in eine Art Freilichtmuseum, in denen man die alten Häuser von Lettland angucken konnte, in dem alles ein bisschen so war wie vor 400 (?) Jahren.
In dem Museum sind dann verschiedene Sachen vorbereitet worden, also so eine Art Workshops, damit einem nicht langweilig wurde. Und (fast) alle Betreuer und Mitarbeiter von AFS Latvija haben sich dann ihr Trachten angezogen, man konnte irgendwelche traditionell lettischen Bändchen machen, ich habe zwei Volkstänze gelernt (ihr dürft erst lachen, wenn ihr gesehen habt!) und ein Volkslied. Ja, und wir haben noch andere Sachen gemacht. Und es war richtig richtig gutes Wetter. Und unglaublich schön, wo wir waren. Zum Mittag gabs dann auch typisch lettische Sachen. Wobei ich mich dummerweise an keinen Namen mehr erinnern kann. Von einem Teil des Essens weiß ich aber noch den russischen Namen. Auch wenn ich bezweifle, dass irgendwer von euch etwas mit cepый горох (ßjerui garoch) anfangen kann. :D
Gut, der Nachmittag ging ähnlich entspannt weiter. Aber ich habe keine Lust, das jetzt weiter auszuschmücken...:) ich kann nur sagen, dass ich drei Möglichkeiten verpasst habe, wieder nach Daugavpils zu kommen und dann erst um elf da war. Ich war "extremely tired" (extriiiiiiiiiiimli teired), wie meine Englischlehrerin das vielleicht gesagt hätte.

Und am zweiten Oktober war dann mein Geburtstag und ich bin nach dem Geschenke auspacken und Kerzen pusten mit meiner Gastfamilie samt Gastgroßeltern in ein Schloss gefahren. Das heißt, ich dachte, es wäre ein Schloss. War es aber nicht. Es war ein Museum für Plastikpuppen (hab in meinem Leben noch nie sowas, ähhh, SCHÖNES gesehen..) Aber sie fandens toll und total kreativ. Naja. Andere Länder...:)
Aber die gute Puppendesignerin war ganz schön berühmt. Nicht nur der lettische präsident hat sie schon mal besucht. Auch die spanische Königsfamilie war da und hat ein paar Puppen bestellt. Und die Queen hat eingekauft und Herr Putin glaub ich auch. Naja, so weit so gut. Ich fand es jetzt nicht sooo künstlerisch, aber da stand ich mit meiner Meinung ziemlich alleine da. Dieses Museum war um 11 Uhr nämlich so unglaublich voll. Aber das Beste kommt ja noch. Wir durften uns nämlich verkleiden. Mit Reifröcken drunter und Perücken. :D
Es war einfach nur unglaublich albern, aber alle haben es ernst genommen (vielleicht außer mir:D) und dass war glaub ich der Grund, warum es mir echt Spaß gemacht hat...Ich zeig euch unten einfach mal ein paar Bilder...:D Viel Spaß!
Danach waren wir noch bei einer Kirche, die da in der Nähe war, in der eine Ikone steht, die manchmal sogar weint, wenn sie (angeblich) von einer Geschichte oder einem Schicksal besonders berührt ist. Das Erlebnis blieb mir aber verwehrt. Vielleicht wusste ich nicht die richtige Geschichte;)
Danach waren wir hier noch in der Kirche, wobei das eher so eine Art Treffen war, haben Kuchen gegessen und uns unterhalten. Und auch, wenn der Tag an sich nicht ganz einfach war, weil es einfach ganz anders als zu Hause war und deshalb auch ziemlich ungewohnt (immerhin habe ich die letzten 16 Jahre eigentlich immer mit den gleichen Leuten verbracht), hatte ich Spaß und ich kann nicht sagen, dass es schlecht war;)

Ja, und zu guter Letzt:
Heute war skolotaja diena, das bedeutet sowas wie Lehrertag. Den gibt es in ganz Lettland, und zwar immer am 3. Oktober. Weil der aber dieses Jahr am Wochenende war, wurde der Tag vorgezogen (am Freitag) oder nachgefeiert.
Zu dem Anlass bekommen alle Lehrer (wie so oft) Blumen und die 12.klässler, also die Abgänger, gestalten den Unterricht, wie sie das wollen. Das war ganz lustig und der Schultag war um 10 vor 10 beendet. Ich wurde interviewt, was ich davon halte und meiner Meinung nach sollten wir das in Deutschland auch einführen. Immerhin sollte Schüler die 12 oder 13 Jahre in die Schule gehen auch mal die Ehre gebühren, vorne zu stehen. Und wen das nicht überzeugt: Nur 2 Stunden Schule!!!
Ich mach Herrn Müller mal den Vorschlag...:)
So, und jetzt bin ich hier und könnte noch viel mehr erzählen, aber ich denke, das reicht erstmal wieder:)


Das wurde Johanna und mir als Mousse au chocolat verkauft-war aber eigentlich Erde mit Wasser, wie wir dann feststellen mussten...

Blick aus dem dreckigen Zugfenster um 7 Uhr morgens

Die Typen in Riga sind supercool. Die stimmen ihr Outfit auf ihr Fahrrad ab. :)





















cepый горох (ßjerui garoch)









Das Plumpsklo

Donnerstag, 23. September 2010

Daugavpils

Die Stadt ist gar nicht so schrecklich, wie ich das am Anfang gedacht habe. Es wirkt alle sehr grau, aber hat durchaus seinen Charme...:)
Heute war unglaublich schönes Wetter und ich war nach der Schule (ich hatte bis um 16 Uhr !) draußen. Im Wald (dahin brauche ich eine Viertel Stunde zu Fuß) und im Park und Richtung Innenstadt. Und um 19 Uhr bin ich wieder nach Hause, weil es dunkel geworden ist...:)
Aber der Reihe nach. Erst war ich im Wald, habe mit einer anderen Austauschschülerin telefoniert (für unglaubliche 2 Lats!) und bin dann in den Park gegangen. Als ich auf die Tramvai, also die Straßenbahn gewartet ist, ist mir was unglaubliches passiert. Ich habe einen NVV-Bus in Daugavpils gesehen, ich meine, klar, hier fahren alte deutsche Straßenbahnen, ausgemusterte Busse aus Schweden, also, alles, was in Westeuropa wahrscheinlich nicht mehr durch den TÜV kommt, aber das war ein Bus mit der Aufschrift NVV. Und weil ich mir gedacht habe, dass mir das keiner abnimmt, habe ich ein Beweisfoto gemacht.
Danach bin ich mit der Straßenbahn Richtung Innenstadt gefahren, eigentlich wollte ich euch nämlich meine Schule zeigen... Aber da ist dann nichts draus geworden. Ich habe nämlich erst die drei großen Kirchen fotografiert. Die rote, das ist eine evangelisch-lutherische, die hatte "geschlossen". Und die einheitlich weiße ist eine römisch-katholische Kirche. Da war ich drin und es war echt schön. Es war zwar kein Gottesdienst, aber die Bänke waren voll und und die Leute (hauptsächlich ältere Frauen, "Babuschkas":)) haben gebetet oder gebeichtet und alles hat so gut gerochen. Früher fand ich den Geruch immer sehr sehr unangenehm, aber heute war es sehr sehr schön. Und als ich schöne Fotos von der russisch-orthodoxen Kirche, der letzen Kirche machen wollte, haben meine Batterien gestreikt. Und ich hab keine Fotos mehr gemacht, sondern bin nach Hause und habe für morgen Batterien gekauft. Morgen gehts nämlich nach Riga (schon erwähnt?) und Riga ohne Kamera wäre ja wie Kuchen ohne Zucker, oder sowas...











Montag, 20. September 2010

Russisch, Lettisch und was mir sonst noch das Leben schwer macht...:)

Gut. Jetzt erzähle ich noch ein bisschen, wie das hier mit den Sprachen ist, und dann seid ihr schon auf dem aktuellen Stand. :)
Also, Daugavpils ist, wie ich schon gesagt habe, eher eine russische Stadt. Hier leben 60% Russen und nur um die 15% Letten. Hier wird man in den Geschäften zu etwa 90% auf Russisch begrüßt. Russisch ist die Alltagssprache. Nicht jeder kann Lettisch (zum Beispiel meine Gasteltern nicht), Russisch kann jeder, weil es jeder können muss. Wer hier kein Russisch spricht, kann nicht einkaufen, sich nicht mit den Nachbarn unterhalten und so weiter. Russisch ist also (viel) wichtiger. Deswegen sind zum Beispiel Hinweisschilder zum Teil ziemlich sinnlos, weil sie von mindestens einem Drittel der Bevölkerung nicht verstanden werden:)
Dafür ist aber der Unterricht auf Lettisch. Das garantiert, dass wenigstens die jungen Leute Lettisch lernen. Bei den "älteren" russischstämmigen Leuten wird das hier vermutlich oder ziemlich sicher nichts mehr ändern. Dabei es ist ja schon relativ wichtig, die Sprache von dem Land, in dem man lebt, zu sprechen. Sieht man ja auch an den Diskussionen, die zur Zeit in Deutschland über Migranten geführt werden.
Also, zur Sprache: Ich möchte ja gerne beide Sprachen so einigermaßen lernen (wir werden in neun Monaten sehen, was aus diesem Vorhaben geworden ist...), hab aber jetzt gemerkt, dass ich dafür richtig was machen muss. Weil: Ich konnte weder kyrillisch noch irgendwelche Vokabeln, als ich hergekommen bin. Und vor allem am Anfang hätte ich mich am liebsten gehauen, dass ich nicht gelernt habe, so wie meine Mama mir das von Anfang an gesagt hat... Naja, aber jetzt bin ich hier. Ohne Vorkenntnisse. Die ersten Worte wie Danke und Bitte Ich heiße..., so Alltagsfloskeln waren schnell drin, aber das wars dann auch schon. Ich kann mir einfach keine russischen Vokabeln merken. Die lettischen gehen leichter in meinen Kopf, weil Lettisch ein klitzekleines bisschen dem Deutschen ähnelt. Lettisch höre ich aber auch nur in der Schule und es kostet schon Überwindung, einfach was zu sagen und vor allem, sich Sätze hinzubiegen, die mit hundertprozentiger Wahrscheinlichkeit falsch sind, wenn man genau weiß, dass man auf Englisch vielleicht ein Zehntel der Zeit braucht. Ich glaube, darin liegt wirklich die größte Gefahr, dass man denkt, alles ist mit Englisch leichter...
Ich habe in der Zeit, wo ich krank war, probiert, ernsthaft kyrillisch zu lernen und kann jetzt von mir behaupten, dass ich etwas entziffern kann und sogar Schreibschrift schreiben kann;)
Und ansonsten: Ich gebe mir jetzt wirklich Mühe. Schreibe alle Vokabeln auf und versuche sogar, sie zu lernen. Am Anfang wollte ich ja erstmal nur Lettisch lernen, weil ich der Meinung war, dass beide auf einmal ein bisschen viel sind. Musste jetzt aber feststellen, dass das scheinbar unmöglich ist, eine der beiden Sprachen für länger zurückzustellen. Zu Hause kann ich eben nur Russisch sprechen und in der Schule gibts in etwas mehr als zwei Monaten Noten, auch in Lettisch. Außerdem macht ja AFS so super Sprachtests. Aber gut, dass ich da nicht sooo gut sein werde wie die (meisten) anderen ist wohl ziemlich klar... Aber nicht weiter schlimm.
Ansonsten macht mir das Essen Probleme(alles schmeckt ganz gut, aber:), ich hätte mir ja gewünscht, nicht (so viel) zuzunehmen, aber hier gibt es ständig irgendwelches süßes Zeug (ich kenn es definitiv nicht und kanns auch nicht beschreiben, es ist aber nicht schlecht). Und morgens gibt es immer oder oft irgendwelche Pfannkuchen mit Zucker, Marmelade etc. Und ich gönne mir die deutsche Schokolade, weil sie einfach sooooo gut schmeckt und joggen gehen darf ich in den nächsten Wochen auch nicht, wegen meiner schweren Krankheit;)
Achja, und heute morgen gabs wieder Nudeln(siehe erster Schultag...)!!:D:D
Meine ersten Schreibversuche;)



Sonntag, 19. September 2010

Lettland

Letzte Woche Freitag war ich im Wald und habe endlich das "gefunden", was ich eigentlich von Lettland erwartet habe. Das war ja hauptsächlich keine graue Großstadt mit vielen Leuten, sondern Leere komplett ohne Menschen oder mal hier und da ein Hüttchen. Und viel viel viel Natur. Und das war so:
Am Donnerstag Abend ist meine Gastmutter Viktorija in unser Zimmer gekommen und hat gefragt ob ich mit in den Wald kommen möchte, am Freitag morgen (normalerweise beginnt Freitag die Schule um neun Uhr, aber an dem Freitag war Sporttag und es hat erst um elf angefangen). Ich habe mir ziemlich viel Zeit zum Überlegen gelassen. Immerhin standen um fünf Uhr aufstehen gegen bis um zehn ausschlafen. Also eine schwere Entscheidung;) Aber ich habe mir gedacht, dass ich, wenn ich das jetzt nicht mache, wahrscheinlich nie aus dieser Stadt rauskomme. Also bin ich mit meinem Gastopa und Viktorija um fünf Uhr los in irgend-einen Wald außerhalb.
Wir sind ziemlich lange gefahren (und seitdem weiß ich auch, dass Viktorija gar nichts dadür kann, dass sie katastrophal Auto fährt, das muss in der Familie liegen, ihr Vater fährt genauso:D...), aber es war nicht langweilig, dafür gab es viel zu viel zu sehen. Um halb sechs/sechs in etwa ist die Sonne aufgegangen und Daugavpils war so schön wie nie zuvor;)
Dann sind wir über die Daugava gefahren (deutsch Düna) und alles außenherum war voller Nebel. Auf den Wiesen waren kleine Heuberge und Störche standen drauf oder auf den Wiesen. Und ich habe die kleinen Häuschen / Hüttchen gesehen, von denen ich oben geredet habe. Es war wunderschön.
Im Wald angekommen habe ich einen Korb und ein Messer bekommen und durfte auch Pilze sammeln. Alles war sehr grün (klar, war ja ein Wald), aber anders als in Deutschland, weniger Müll und viel mehr grün auch auf dem Boden. Zum Teil ist die Moosschicht wahrscheinlich einen viertel Meter dick. So etwa. Ich hab auch Pilze gesehen, und mitgenommen, aber es waren meistens die falschen, sodass ich sie wieder wegschmeißen durfte;) Dann sind wir noch ein Stückchen weiter gefahren und ich war etwas irritiert wegen vieler großer Löcher im Boden (etwa 1-3m tief und ein Durchmesser von sagen wir mal 3-6m in der Regel), alles war wieder total verwildert, sah aber doch unnatürlich aus. Vielleicht, weil es die Masse war. Auf jeden Fall hat mich mein Gastopa aufgeklärt, dass das im zweiten Weltkrieg der Schutz vor Schüssen (keine Ahnung, wie das in der "Fachsprache" heißt) für Russen und Deutsche war. Und das ist dann doch irgendwie ein komisches Gefühl gewesen. Klar, ich weiß, ich bin nicht Schuld, in keinster Weise, aber zu wissen, dass hier vor 70 Jahren die Front war, Leichen rumlagen und sich meine und die Vorfahren von meiner Gastfamilie abgeschossen haben (vermute ich jetzt mal, dass von meiner Seite wer im Krieg war, weiß ich, und ich denke, bei denen wars nicht anders) ist schon ein beklemmendes Gefühl.
Ich hatte aber überhaupt nicht das Gefühl, dass bei irgendwelchen Erklärungen ein Vorwurf mitschwingt oder so.
Ach ja, wenn ich irgendwie mit den älteren Leuten reden will und es nicht auf Russisch kann, bietet sich immer Deutsch an, das haben die nämlich komischerweise zu einem großen Teil in der Schule gehabt. Das heißt jetzt nicht, dass sie viel verstehen, aber mehr als in Englisch;)

Einen Vorfall gibt es noch, von dem ich erzählen muss. Der eigentliche Auslöser für diesen Blog, der ja aus Langeweile entstanden ist, liegt auch im Wald:
Ich bin durch den Wald marschiert und der Waldboden war ziemlich ziemlich feucht. Und ist komischerweise auch immer feuchter geworden. Ich hab mir nichts draus gemacht, hatte ja meine "Kampfkleidung" (Kopftuch gegen Zecken, Gummistiefel, Trainingshose) an. Und ich habe gedacht, dass es wieder trockener wird. War dann aber nicht so und plötzlich lag da ein Baumstamm, den ich leider nicht gesehen habe und hinter diesem Baumstamm war ein Loch. Und in dem Loch war Wasser. Ich war ziemlich nass;)
Und das ist (nehme ich an) der Grund dafür, dass ich krank geworden bin. In die Schule bin ich dann auch nicht mehr gegangen...
Und ich habe gedacht, hmh, Erkältung, macht nichts, schnell vorbei. Aber hier gabs viiiiiiiele Medikamente und vor allem wars nichts mit schnell vorbei.
Erst habe ich seltsame Heilmethoden kennengelernt. Ich habe geschmolzene Butter mit kleinen Knoblauchstücken in die Nase bekommen (als natürliches Antibiotikum), habe mit Salzlösung gespült (die dann leider in mein Ohr gelaufen ist...), habe Knoblach in den Mund bekommen, den ich aber nicht runterschlucken durfte, sondern nur im Mund behalten sollte (für, naja, so "2-3hours"). Ich hab viiiiiel Tee getrunken, noch mehr als sonst ;), Sirup, Honig, alles eigentlich. Und habe Kiefernzweige in die Ärmel und Socken bekommen, bei irgendwelchen Akupunkturpunkten. Und dann sind wir zum Arzt gegangen, weil man, wenn man mehr als drei Tage fehlt (im Jahr!) eine Entschuldigung vom Arzt braucht. Das war am Dienstag. Ich hab mich total gesund gefühlt, hab mir gedacht, jetzt ists vorbei, jetzt darf ich wieder in die Schule, weil, was soll ich zu Hause? Da kann ich ja doch nichts machen. Aber nichts wars. Diese Frau hat mir Antibiotika verschrieben, weil "alles in mir angeschwollen" ist, das Antibiotika hab ich dann nicht genommen, aber das ist ja erstmal nebensächlich... UND sie hat mich noch acht Tage krank geschrieben. Bis Mittwoch.
Meine Gastmutter ist jetzt der Meinung, vielleicht können wir die Entschuldigung irgendwie verändern, dass ich schon morgen in die Schule kann;) Hoffentlich geht das, oder wenigstens übermorgen. Obwohl... Da ist eine Doppelstunde Mathe:D
Egal. Wir werden sehen...:)








Samstag, 18. September 2010

Erster Schultag

So, und weil ich ja heute ähnlich wenig zu tun habe, wie gestern, schreibe ich mal was über den ersten Schultag.:)

Am 31.08., dem Tag vor dem ersten Schultag, wird hier der letzte Tag des Sommers zelebriert. Das hieß in meinem Fall erst mal vormittags Schulsachen kaufen (ich brauchte ja erst mal kaum was) und nachmittags dann, juhhuuu, zur Kosmetikerin. Da haben Katrina, meine Gastschwester, und Marija und ich 10 verschieden Cremes ins Gesicht bekommen (ihr wisst ja, wies um meine Gesichtshaut bestellt ist, also keine Ahnung, ob das gut oder schlecht war:D). Und eine ultimative Beratung für gerade mal 50 Santimes, wobei das bei mir eigentlich unnütz war, ich hab ja kein Wort verstanden, von dem, was die gute Frau so erzählt hat. :) Aber ansonsten wars ganz lustig, also, das mit den Cremes.
Abends sind dann Babuschka und Deduschka, also meine Gastoma und mein Gastopa zum Kuchen essen gekommen und es gab Geschenke (für mich auch:)): Einen Regenschirm, weil es hier im Herbst so viel regnet (momentan aber deutlich weniger als in Deutschland:P) und einen Notizblock und Walnüsse mit Geld drin. Da haben sie die Schalen geknackt und wieder zusammengeklebt.

Am 1. September, das ist ja in Lettland immer der erste Schultag, hat sich Katrina für um fünf (!) Uhr den Wecker gestellt um sich dann schick zu machen, mit Haarkur und allem drum und dran. Ich hatte ja extra in Deutschland ein graues Kleid gekauft, aber das konnte ich nicht anziehen, wurde mir zumindest gesagt, weil man hier schwarz-weiß trägt. Das hatte ich aber leider nicht, weil, keine Ahnung, weil. Wahrscheinlich, weil ich meine schwarze Jeans letztes Jahr gesprengt habe und ich keine neue gekauft habe. Und in die von der Konfirmation passe ich nicht mehr rein;)
Deshalb habe ich dann was von meiner Gastmutter und meine blau-weiß-gestreifte Bluse (die war scheinbar in Ordnung) angezogen. War dann in Ordnung so. Zum Frühstück gabs Spaghetti, ich vermute mal, weil sich mein Gastbruder das so gewünscht hat, war dann aber doch ein wenig gewöhnungsbedürftig. Aber seitdem gabs das (glücklicherweise) auch nicht noch mal!
Um acht Uhr sind wir dann zur Schule gefahren worden, das heißt: Eigentlich ist nur mein Bruder gefahren worden, wir sind auf Wunsch von Katrina gelaufen, was für meine Füße wirklich nicht die beste Idee war. Sie musste nochmal "üben", wie man auf Absatzschuhen läuft, aber mir wäre es (zumindest im Nachhinein) lieber gewesen, ich wäre gestakst, aber mir hätten die Füße nachher nicht soooo unglaublich weh getan.
In der Schule wurde ich ganz kurz meiner Klasse vorgestellt (meine Klassenlehrerin kannte ich ja schon und ich wusste auch schon, dass ich in eine 12. Klasse gehen würde, also in die Abschlussklasse in Lettland) und dann mussten wir uns in "pärchenweise" aufstellen und zum "Einmarschieren" bereitmachen. Und dann sind wir in die zur Aula umfunktionierte Sporthalle einmarschiert, es wurden Fotos gemacht (http://www.daugrc.edu.lv/Foto.html) und dann wurden unglaublich viele Reden gehalten, wo keiner zugehört hat (wie überall, ich versteh auch nicht, warum dann der Schulleiter, der Stellvertreter und die Stufenleiter oder keine Ahnung wer, alle zu Wort kommen müssen. Das ist in Deutschland genauso absurd wie in Lettland oder vermutlich anderswo und keiner verstehts...) und ich hatte die große Ehre, mich selbst vorzustellen. Ich hatte ziemlich, nennen wir es Respekt davor, weil ich mich kenne und wenn ich aufgeregt, dann irgendwas Komisches passiert. Aber es ist alles gut gegangen und an der Schule sind ja auch nur etwas über 300 Schüler, also gegenüber der WFS sehr schön klein:)
Danach, also nach der Sache in der Sporthalle, waren wir noch in der Klasse, ich konnte ein paar Leute kennen lernen und musste feststellen, dass die ziemlich gut Deutsch können (zum Teil besser als Englisch). Und wir haben "Glücksboxen" für das Jahr gebastelt:D Die sind ja auch erst alle 18 geworden. Aber alle sind sehr kreativ und künstlerisch begabt, da fühlt sich jemand mit zwei linken Händen wie ich leicht fehl am Platz:) Aber glücklicherweise haben wir seitdem nicht mehr gebastelt. Und der erste Schultag war schon um halb elf vorbei. Aber danach hat mich Katrina noch mit ein paar Freunden in die Stadt genommen. Da war ziemlich viel los. Man konnte Zuckerwatte kaufen, es gab Bühnen und Heliumballons (:D). Hatte ein bisschen Kirmescharakter. Nur (leider) ohne Karussels...:(
Und um fünf war ich dann so müde, dass ich im Konzert fast eingeschlafen bin. (Ich bin dann rausgegangen und hab mich ins Auto gelegt. Apropos Auto. Mein Gastmutter ist die beste Autofahrerin auf diesem Planeten. Sie fährt unglaublich. Gut, sie hat den Führerschein auch "erst" seit drei Jahren. Sie ist immer unglaublich nervös und jetzt hat sie beim Einparken einem hinten drauf gefahren, weil sie von ihrem letzten Einparkversuch so euphorisiert war. Der hat nämlich geklappt. Also, richtig gut. Glücklicherweise hatte das Auto eine Anhängekupplung, sodass sie nur ihr eigenes Auto kaputt gemacht hat. Also, das Nummernschild.
Gut, ansonsten war der Tag aber sehr schön.
Der zweite Schultag war ähnlich entspannt, ich musste nur einen Vortrag (über mich!) halten und um 11 konnten wir wieder nach Hause.
Richtig angefangen hat die Schule erst an Tag drei. Eigentlich gehe ich gerne in die Schule, im Moment wünsche ich mir nichts sehnlicher;) -ich sterbe vor Langeweile!- nur Mathe ist der absolute Horror. Das Schlimmste ist ja, dass ich eigentlich fast alles können müsste. Aber ich kann nicht mal mehr eine normale Gleichung lösen. Geschweige denn, irgendetwas mit quadratischer Ergänzung. Und in zwei Monaten bekomme ich Noten in Lettisch, Mathe, Sport und Englisch.
In Bio verstehe ich fast alles. Genetik hatten wir ja schon- zumindest, das, was die jetzt machen. Und Deutsch ist das beste Fach. Ich verstehe alles und kann ihnen sogar noch was beibringen. Sie sind bestimmt sehr froh, dass sie jetzt wissen, dass man nicht Galle husten sagt, sondern was anderes;)
So, das wars erstmal.